Erbschaft
Sie zählen zu den familiären Konflikten und sind in der Regel sehr lang anhaltend. Die Folgen sind zumeist sehr fatal für die Familie als Ganzes, da eine positive Kommunikation kaum noch oder gar nicht mehr gegeben ist und ein Austausch nur noch über Anwälte und Gerichte vollzogen wird. Hier entstehen nicht selten neue Konflikte, da einer wirklichen Klärung der Angelegenheiten die Basis entzogen wurde. Statistiken belegen, dass in solchen Verfahren oft das gesamte Erbschaftsvolumen der Prozessflut zum Opfer fällt, so dass die Betroffenen keinerlei Nutzen zu verzeichnen haben - wohl aber die Anwälte und Gerichte.
Ein typisches Beispiel für Erbschaftsstreitigkeiten:
"Eltern arbeiteten ihr Leben lang hart, damit es ihren Kindern später besser gehen soll. Irgendwann möchten sie ihr Lebenswerk an die Kinder abtreten, erwarten aber Dankbarkeit und die Option, weiterhin mitwirken zu dürfen. Die Kinder aber wollen sich als nunmehr selbst Erwachsene nicht bevormunden lassen, haben andere oder neue Ideen und wollen diese verwirklichen. Ihre neuen Arbeitsweisen und Vorstellungen gehen nicht mit denen der Eltern konform."
Dass sich hier schnell ein Konflikt zu einem handfesten Streit entwickelt, ist nachvollziehbar. Leider verlieren die Kontrahenten das gemeinsame Interesse aus den Augen, da sie sich nur noch darauf konzentrieren, ihre Positionen durchzusetzen, meist mit dem Gefühl, nicht verstanden oder missachtet zu werden. Die auf beiden Seiten erlebte Verletztheit verhindert dann jegliches Miteinander. Ohne in dieser Konfliktsituation die fatalen Folgen absehen zu können, müssen die Betroffenen, so zeigt die Erfahrung, nach abschließender richterlicher Entscheidung feststellen, dass das Ergebnis in keiner Weise mit ihren ursprünglichen Intensionen konform geht.
Da derzeit eine so genannte Erbengeneration besteht, die derartige Streitigkeiten in hoher Zahl impliziert, bietet sich das Mediationsverfahren als eine besondere Möglichkeit an, unterstützend einvernehmliche Lösungen für alle Beteiligten zu finden, die auf Dauer tragfähig sind und Zufriedenheit als Ergebnis haben. Mir als Mediator ist wichtig, Verbünde wie Familien zu stärken und Gemeinsamkeit zu fördern, da sie sich dadurch auszeichnen (sollten), Ruhepol, Ort der Vertrautheit und Zentrum jeglicher intrafamiliärer Bedürfnisse (Verständnis, Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, etc.) zu sein. Es geht nicht darum, Stärken und Schwächen gegeneinander aufzuwiegen und nach gegenseitigen Fehlern zu suchen, sondern die beidseitige Interessenslage zu definieren und den größtmöglichen gemeinsamen Nenner zu finden. Dieses Verfahren der gemeinsamen Suche nach allseitig akzeptablen Lösungen, auch WIN-WIN-Prinzip genannt, dürfte im Interesse der Betroffenen liegen, da sein Ziel nicht in der Feststellung von Recht und Unrecht mündet, sondern in ein tragfähiges Miteinander, welches jede Position berücksichtigt.
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